Verortung und Verfügbarkeit: me gusta rising

In Politik der Lyrik by Rick Reuther6 Comments

Die bisherigen Texte unserer Diskussion versuchten, Politik und Lyrik unter dem Begriff der Handlungsfähigkeit einander vor- oder sie gegenüberzustellen. Dabei blieb die Frage der Verfügbarkeit von Lyrik noch weitgehend unberührt und die Orte unbesucht, an denen sich ein Großteil heutiger Lyrik ereignet. Der nächste Beitrag von Rick Reuther eröffnet den neuen Diskussionsstrang ‚Verortung&Verfügbarkeit‘ und bringt uns nun entschieden dorthin, wo wir uns befinden: ins Internet.

 

„i was staring at my profile. how could i make it better?“

content / contender / tender 

deine mutter sagt, man rede über die gipfel der anderen, während man auf dem eigenen stehe und angst hätte, vorwärts und so. aber ganz neben der spur: angst, nö nö. ich habe knapp über 50 tabs offen – mich interessiert, was geschieht, was geschehen ist und futur. ich lese weltweit, informiere mich über die new yorker lyrikszene, lgbt in sotchi, rio und die anti-fifa proteste. was ich gut finde, was ich für richtig halte, gefällt mir und ich teile – ich hoffe, das es so vielen gefällt, dass noch viel mehr daran gefallen finden können. warum auch nicht? manchmal poste ich auch einfach etwas nettes.

kann ich von uns sprechen? von meinen ___ facebook freunden sind gerade zwei in kiev, einer pendelt zwischen rio und berlin. wir teilen unseren protest, unterschreiben petitionen, schießen selfies vor blockaden. wir halten uns auf dem laufenden, und das alles tun wir auf einer  150 millarden us-dollar schweren plattform, auf der auch coca cola sehr aktiv ist. gedankenspiel: im sturm 1912 wäre neben schwitters gedichten limonaden werbung annonciert gewesen. aber aber, muss ich einwenden, i can still choose my feed.

quarter

„es gibt kein richtiges leben im falschen.“ zitiert A. nietzsche auf meine pinnwand. man lacht andauernd über sich selbst, kaum jemand ist noch wirklich überrascht. tote in bangladesh, gangbang mit ghettofaust, ja und? genau hier könnte ihr delfinbaby verlinkt sein. ich habe im internet viele neue menschen kennen gelernt, haben online sonnenuntergänge, sofas und schöne zeiten gefunden. mit zwei meiner ungefähr 40 couchsurfing-begegnugen stehe ich weiterhin im kontakt. der rest und ich, wir haben uns größtenteils wohlwollende rezensionen hinterlassen. die allermeisten, die diesen text lesen werden, haben doch eh voll die richtige einstellung zur welt. aber zur demo gegen den akademikerball in wien war gerade eine freundin aus istanbul da, die bei jeder hunderschaft verschlafender burgenland-bullen angst hatte, gleich nicht mehr atmen zu können, gezi-style.

mensch, meint bolz, ist gadgetprometheus: feuer wärmt, feuer verbrennt. ab und zu fühlt man sich bespitzelt und beschwert sich, dann führt man etwas auf. ständige überwachung ist eine enorme möglichkeit für die zeitgenössische choreographieszene. die nsa liest uns wenigstens und liegt dabei zumindest fernab der alteingesessenen interpretationen. nächster tab, anderes thema – ab und zu gibt’s auch lyrik. ich nehme eher leute wahr, die im internet für umme veröffentlichen, kein wunder (und manche genau deswegen nicht, also, nachdem sie es in echtzeit auf meiner timeline verkackt haben). mag sein, das ich mehr bücher von netzwerkgenossInnen kaufe, als; aber um genau zu sein: keine ahnung, frag big data – klar, big data finden wir ja alle bedenklich. das überhandnehmen der empirie kann einem das argumentieren ziemlich  sauer machen. eine andere sache: ich mag es, wenn es die sachen, die ich lesen will, überhaupt  zu lesen gibt: halleluja verfügbarkeit, halleluja überfülle. und ununterbrochen so: umgang –  der luthervergleich abgestaubt, das auswendiglernen, angst und dieses arge futurologiesieren – yes sir, bei mir auch: angst, ununterbrochen nach formen umschau halten zu müssen, statt. das jeder post nur so lange etwas wert ist, as long er sehr oben im feed schwebt. gleichzeitig krasse spielfreude. 

apropo gleichzeitgkeit: ich habe halt schon weit über 60 tabs offen und diese überzahl verringert sich nur an wififreien tagen, oder bei absturz. oft freue ich mich, 2014 eine riesige bildungslücke zu haben, da müsst ihr nur mal meine hörgewohnheiten fragen. youtube, rdio und co. sind schon eine enorme geschmacksbefreiung.(warum gibt’s keinen lyrik-stream? und yes, i don’t know nothing about money). statt einem leitartikel in der zeit lese bis überfliege ich fünfzehn, zwanzig verschiedene quellen. okay, nahezu ausschließlich deutsch- und englischsprachig – bei den protesten rund um rio/fifa lässt mich bing öfter mal im stich: „Ein akademisches Seminar und eine bestimmte Gruppe von Forschung Recht auf eine föderale öffentliche Universität bestätigen die dunkelsten Vorhersagen der Produktion der Ausnahmezustand erklärt Diktatur des transnationalen Kapitalismus.“

sonntags theatlantic.com, laphams- und neinquartelery, das hat schon was. wenn ich gut drauf bin, denke ich mir: so schneller austausch, auf- und wiedergabe, so schneller wird’s denken, wird’s kreieren – damit könnte ich auch schief liegen. „Content – don’t you hate it? It’s the new c-word.“ schneller, ausgustin, schneller alles hin hin hin. verbringe ich die zeit, die ich früher gehabt hätte, um was interessantes zu schaffen, inzwischen damit, reichweite zu erzeugen?

traumawientweet

ja ja ja, alte hierachien lösen sich auf, techno-remix, alte hierachien bilden sich neu. brauchen wir noch verlage? warum muss ich fürs open mike meine texte vom blog nehmen und warum kann ich mich bei diesem ganzen anderen kram nur bewerben, habe ich bereits in einem „renommierten“ verlag publiziert? fuck it. verschläft europa das self-publishing komplett? ist europa eh am arsch? wann zerfetzen endlich diese grenzen? frontex? politics for kicks und lyrik für aleppo, ähäm, verlier ich den faden, was für ein faden überhaupt!?

 @stporombka schreibt zum umgang mit dem immer neueren:

„Reflex eins (Ich mache gar nichts, weil sowieso alles ziemlich schnell überholt wird) führt direkt in einen Fatalismus, mit dem man dazu verdammt ist, allem nur noch argwöhnisch zuzugucken, ohne überhaupt noch etwas zu unternehmen, das Spaß machen und dem Leben Sinn geben könnte.

Reflex zwei (Ich überhole mich selbst, um schneller in der Zukunft zu sein, als alle anderen) zwingt dazu, sich von der Gegenwart zu verabschieden und aus lauter möglichen Zukünften eine einzige Zukunft auszuwählen und Wetten darauf abzuschließen, dass diese eine Zukunft dann auch wirklich kommt. Angesichts der Tatsache, dass wir es nicht mit einem linearen Fortschritt zu tun haben, ist eine solche Wette natürlich der reine Irrsinn.

Reflex drei (Wir bauen eine Burg und versuchen innerhalb der Mauern die Zeit aufzuhalten), ist nur eine andere Form, sich von der Gegenwart zu verabschieden und sich auf direktem Wege der Depression auszuliefern. Denn klar ist: Von dieser Position aus kann alles nur schlimmer und schlimmer werden. Man selbst versteht die Welt nicht mehr, versteht sie zunehmend immer weniger, nabelt sich ab und verinselt. Wobei gilt, dass die Insel, auf der man sich bewegt und die man partout nicht verlassen will, immer kleiner und immer instabiler wird. Das macht die Depression dann nicht schöner.“

interessante e-book möglichkeiten, here they come – 2.99 für 80 seiten, da  lese ich gerne an einem stück – naja, okay, zwischendurch kurz rubbeldiekatz. und, wenn man die zukunft ernst nehmen möchte, dann is da so much discurs/disturb to get along with…

What if the poetic has left the poem in the same way that Elvis has left the building?

Was zur Hölle ist Netzkultr?

Kostenloser Zugang zu Texten als Möglichkeit, eine Leserschaft wiederzugewinnen, vielleicht überhaupt zu gewinnen.

Nyan Cat as Shakespeare? und und und oft gehe ich meiner love-affair auf die nerven, weil ich ihr unbedingt was zeigen muss.

manchmal ein höhenflug, wie – vor 50 jahren hätte ich noch eine für ewigkeiten tradierte form bedienen müssen, jetzt gestalte ich das vollkommen neue mit, komm ins offene freund! am nächsten tag: die beste köpfe meiner generation verbringen ihre zeit damit, herauszufinden, wie man auf werbung klickt. vielleicht: „We don’t read: we skim, parse, bookmark, copy, paste, and forward. We become information hoarders and amateur archivists who frantically collect, store, and move artifacts that we’ll never interact with.“

oder auch: „Our grandchildren will assume that reading with others, i.e. social reading, is the ‘natural’ way to read. They will be amazed to realize that in our day reading was something one did alone. Reading by one’s self will seem as antiquated as silent movies are to us.“

manchmal poste ich was, und schaue, wie die leute darauf reagiere; da gibt es verschiedene strategien. und der kommentar als neue kunstform, das eh. aperçu floriert. ich glaube ans forum, freundliche verweise und dinstinktion (und, wie lange denkst du über dein profilbild nach?). „Wo Formen der Hierarchie eine Struktur geschaffen haben, könnten nun Formen der Geselligkeit auftreten. Wenn nicht einige Wenige sanktionieren, was wir lesen und schreiben, muss sich auf andere Weise herausschälen, worüber Leute sprechen wollen – weil sie ein Interesse an Sprachen, Gedanken, vor allem aneinander haben, weil sie sonst genötigt werden, sich von einer Welt abzuwenden, die unbeherrschbar und beängstigend wirkt.“

store

wie gesagt: sollte mein computer abstürzen, kann ich die letzte sitzung einfach wieder öffnen – und mache so weiter, und anders, denn es kommt immer mehr und schneller, eile, demnächst wollte ich mal ins dark-web, da geht bestimmt was – ich bin zwanzig, und beneide schon jetzt die nächste generation, die, die in der schule coden lernen. und die flüge nach rio: viel zu teuer.

das geht raus an die systemtheorie: hau ich mir tag für tag informationen rein, oder werden sie mir gehauen, siri? – anyhow – ich haue sachen wieder bei facebook raus, sublimation at it’s finest. seit einer weile nutze ich self control. ich aktiviere meine blacklist für sechseinhalb stunden und versuche zu schlafen. sollte es irgendetwas super duper wichtiges geben, kann ich immer noch das handy benutzen; oder wenn es piept, weil. manchmal twittere ich was, manchmal fühle ich mich anschließend weniger allein, dann wieder um so mehr. there is so ein programm in new orleans, welches einem ermöglichkeit, heute einen tweet für z.b. in zwei wochen um fünf nach mitternacht aufzugeben – damit habe ich sylvester verbracht.

„ich möchte dich anfassen

dir was hinstellen, das morgens

und abends goodbye sagt und stoff gibt“

irgendjemand irgendwann mal auf meiner timeline „im internet hört dich niemand schreien.“ ich könnte nachschauen, wann, wo, und wer das schrieb – ich könnte immer nachschauen, habe ich irgendeinen fetzen, schon verändert sich fetzen  in info, und info in archiv. aber es gibt auch sätze, die bleiben:

annema

– das weiß ich, da war ich dabei. wie sehr muss man dabei gewesen sein, um? mein mitbewohner, obwohl er immer noch angst vor der strahlung hat, hängt auch immer härter bei twitter rum, wir machen was zusammen, und schauen wie der rest rauf reagiert, kann befruchten, kann aber auch wirken, als hätten wir ennui, selbstverliebte langeweile. wir interessieren uns zunehmend für technologie – wo passt was am besten? und kann man einmal gekaufte apps eigentlich wieder verkaufen, oder tauschen? ständig kommen neue fragen auf einen zu, man leistet gesellschaft. manchmal muss ich mich über disee bitches ärgern, die andauernd ihr abgewaschenes geschirr posten. aber das mag kultur sein. mitteilungen, verteilungen sprengen bisherige kategorien und raster, ist das kunst, ist das meme (die anonyme aura des -ist das echt so gewesen’s?-; neue archetypen? MEME – pervertierte signifikatnen?), filter – ist wichtig, was das ist? frage: ist mrpimpgoodgame ein logische weiterentwicklung dürers? recherchieren, die pforten der wahrnehmung: noch mehr tabs. könnte die parole des spanischen bürgerkriegs, „no pasaran“, nicht ebenso für unsere browserverläufe gelten?

seit 9gag wissen wir, wie gut schwarmhumor funktioniert – so gut, das wir nicht mehr an die frische luft kommen. ich reiß das alles nur an und das beruht auf gegenseitigkeit. was wird in sekundenschnelle aus deiner jahrelangen arbeit geworden sein? mash-up. bloß nicht das gefühl kriegen, mich dafür schämen zu müssen, das ich mich viel und gerne im internet bewege – zwischen den pdf’s, blogs, feeds und tracks, die ich rezipiere, herrscht  ein reges hin und her. und das darf man natürlich kritisieren, na mach schon, man darf das als hypernervöse bewusstlosigkeit bezeichnen, nur zu: _________________________ – danke. mir aber taugt’s; wer mir seinen gedruckten zauberberg verkaufen möchte und zusätzlich auch noch daran interessiert ist, das ich ihn lese, müsste mir zwei semesterferien + eine abgelegene insel mit in die tüte tun. aber als ob deine mutter alles von hesse gelesen hätte, simmel vielleicht. und was würde mir es überhaupt bringen, wenn früher alles besser gewesen wäre? es gibt nichts schlimmeres, als angesoffene studenten auf hauspartys + youtube.

überschriften, auf die man klickt – das ist, was zählt. but let’s come back to the question we began with. In the past few years many people—basically everybody—have noticed that the internet feels awkward, too. It is obviously completely surveilled, monopolized, and sanitized by common sense, copyright, control, and conformism. It feels as vibrant as a newly multiplexed cinema in the nineties showing endless reruns of star wars episode 1.

murder

ich versuch mich da ja drum rum zu schreiben: „politik der lyrik“. was soll das heißen poltik, das ist, um nicht so alleine zu sein. was mit freunden trinken gehn. vielleicht syrische dichterInnen einladen und bei veranstaltungen, denen man zusagt hat, auch wirklich in erscheinung treten.

aber was hat das überhaupt mit lyrik zu tun – leuchtende stellen, interaktive emanzipation des einzelnen verses,  assoziationsakrobatik, haben sie post? rhythmische kollektivität, 3 sekunden feeds, shakespeare als nyan cat? vielleicht hat das abgeschlossene, one single writer poem abseits der lesung/performance (die ja wiederum, meistens, hoffentlich, ein öffnen ist) auch einfach ausgesorgt; naja, es gibt wirklich schlimmeres – z. b. sich heulend hinterm regal verstecken „wenn Amazon von Apple gekauft worden ist und beide von Google und Google von Gazprom und Gazprom von den Chinesen und die Chinesen von Qatar und alle zusammen längst pleite sind.“

lasse man unsere, achtung fettnäpfchen, versfüße doch mal in richtung möglichkeit tippeln, und zwar innerhalb kürzester konzentrationsspanne; genau wegbeschreibungen wären hier, da meist nachträgliche zuschreibung, latent unangebracht. zack bum pracht! (reime sind en vouge wie eh und je – ich müsste die kids an halloween, anstelle eines gedichts, bloß um einen deftigen diss bitten – dann aber nicht süßes im haus haben, ja genau. ich habe keine angst, stattdessen ad-blocker ohne ende. auf die weißen, freigewordenen flächen im browserfenster, da würde ich gerne kritzeln.

aber zurück zur lyrik: als ich letzten frühling in sarajevo war, durfte ich eine lesung von faruk sehić im pussy galore erleben. so ein angeranzter schuppen, war extrem voll, die meisten besucher in meinem alter, also höchstwarscheinlich in einer belagerten stadt großgeworden. faruk ist soldat gewesen, die anderen kriegskinder, ich wohlstandsverwahrlost + eine kraft in den versen, eine gewaltige skala im sang, die ich aus keiner erzählung kenne/kannte, uns asonanzen zusammbrachte, das ist jetzt absolut scheiße verkitscht und später merkten wir, das es keinen unterschied macht, was auf deinem ausweis steht, benutzt du ihn zum lines legen. lyrik ist im besten fall zusammenkunft, singularität in etwa.

McLuhan

Faruk Šehić – DEATH TO POETS! 

„how do you call someone who writes poetry

bohemian, beatnik, social parasite,

looser, drunk, unfortunate soul,

who lives of fees, with no permanent job

he should be arrest, have him write jailhouse poems,

visionary, dreamer, bitter realist and unaccomplished adventurer

he sits all day at the dva ribara, lapping bear froth, doing nothing

a tumor on the healthy tissues of techno-maniacal capitalism

he’s best to be surgically removed

there will be a lot of blood, raging meat and intestines

we have the best doctors who guarantee fast recovery

(experienced people, respectable, and members of the ruling party to the last man)

the instruments are sterilized and efficent, there are no trembling hands

drop him into life to dig canals for twenty marks a day

let him see mud and sweat, there are no vague metaphors there (…)“

 

Comments

  1. Moritz Gause

    Alles schön und gut. Aber wie viel ist da Affirmation, wie viel ist da Widerstand, gegen wen und warum, was wäre mit Widerstand gegen sich selbst?
    Bin ich auch schon fossil? Was ist mit den Omas an der Tramhaltestelle, und was ist mit den Glatzköppen vorm Supermarkt, sind das vor der Haustür nur noch Reservate für Dinosaurier? (Frag ich mich grad alles, während ich ein Video über Russische LKW-Fahrer schau.)

    Was ist mit dem Eurasischen Steppengürtel, mit der Winzigkeit der Völkerwanderung, der Marginalisierung Europas?

    Ich mach mir Sorgen, dass die Zusammenhänge irgendwo zwischen Zeichen, Spielen, Refferenzen usw. verlorengehen. Produzieren wir bald nur noch fragmentierte Artefakte?

  2. mir geht es da vielleicht ähnlich wie meinem vorkommentator, ich finde der text bleibt in der anschauung stecken. ich finde den nachvollzug des 40-tab-bewusstseins sehr gelungen, eine irgendwie fast naiv abbildende landschaftsmalerei von einem super verspulten ort, den wir alle gut kennen. und indem der zur abwechslung mal nicht nur in meinem kopf stattfindet, sondern im text, schiebt mich das schon ein mikrostückchen weiter vor den zustand, sodass ich ihn entsetzt beäugen kann: is this it?? und sofort hebt eine stimme an die ruft ich habe die besten köpfe meiner generation und so weiter und so weiter.
    aber den entscheidenden schritt zur kritik schafft dieser modus der annäherung dann doch nicht, weil er seinen gegenstand nur in form von symptomen, d.h. passiv erleben kann. die alternative wäre im ästhetischen eine form, im kritischen sind es begriffe. ich verstehe nicht, aus welcher motivation die hier so um jeden preis umgangen werden. sie müssen ja nicht abstrakt oder erhaben sein – nur was sie doch müssen, ist den gegenstand bewältigen, den sie benennen, was dann kritisch ist, wenn es in irgendeiner weise auch die reale bewältigung dessen einschließt, was einen an dem gegenstand fertigmacht. dazu trägt diese schreibform in meinen augen nur einen ersten schritt bei. den zweiten, dritten und vierten sollten antworten auf diesen text machen – oder du im nächsten.

    1. „nur was sie doch müssen, ist den gegenstand bewältigen“ das verstehe ich wirklich nicht. warum bewältigen? kann umgehen/umgang nicht auch kritisch sein, ohne zuzuschlagen? begriffe stellen so oft fallen auf, in die sie, schlägt ihr objekt der begierde haken, selbstgenügsam stürzen. da bleiben dann nur die begriffe, nicht das, was sie bezeichnen wollten.

  3. endnote: warnings,
    there are many

    but many more
    are the excuses

    where philosophy stops
    decorative art studies begin, or wait

    doubt is nothing,
    and what we dress up in

    in an assumption that makes sense:
    hesitation, and simplicity

    it has to be simple, simpler still
    a work performed over time

    written, read, re-written, re-read
    the first room must be society

    a body stands before the forum
    of or before the forum

    some objects are just objects
    in a poem

    some hard words
    are assumptions

    before and after reading
    there is more time

    and before and after reading
    there is time to stand up

    in a space that can be occupied, or
    where something can be done

    *karl larrson

    ______

  4. Nur als kleiner Nachtrag: Das oben erwähnte E-Book von Chloe Zeegen „I love myself ok?“ kostet nix mehr, also Zero Euro. Und alle anderen digitalen Veröffentlichungen bei mikrotext haben sich bei 1,99 Euro eingependelt. – Und danke für diesen Text, vieles zum Diskutieren. Im Internet hört dich niemand schreiben. – Das ist damit zumindest wiederlegt :).

Schreibe eine Antwort zu Moritz Gause Antwort abbrechen