Nichts neu

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Nichts neu

Wir wollen immer alles
sofort und gleichzeitig
und kriegen nie das Ganze
Liegen in fremden Betten,
starren an die Decke
und denken: »Ich brauch was and’res«

Wir sind immer auf der Suche,
statt mal festzustehen und Gutes
wie Schlechtes auf uns zukommen zu lassen
Alles ist möglich
aber wir wissen nicht wirklich
was wir wollen; nichts, das belastet.

Nichts, das uns verantwortet
Wir müssen, müssen doch
unser Leben leben, bevor‘s weg ist.
Wir müssen rauchen, Bier trinken,
uns selbst ›verwirklichen‹
und alle Grenzen testen.

Irgendwie provozieren,
wen und was auch immer.
Was sollen wir unseren Kindern erzählen?
Wir müssen rumkommen,
für’n Taxigeld nach London
und suchen, was uns nicht fehlt.

Wir sind aufgeklärt und stimmlos,
verplant und irre selbstbewusst,
auf dem Sprung und nie allein
Wir sind unpolitisch,
von wenig persönlich
überzeugt und überall dabei.

Tolerant und weltoffen,
zu nichts entschlossen
und immer neu wie der Morgen
Geschlechtslos, beides,
geschminkt und verkleidet
und uns immer nur selbst erforschend.

Wir sind cool und arrogant,
reden pausenlos aus Angst,
dass uns mal jemand eine Frage stellt.
Wir sind mächtig verklemmt,
doch weil der Körper alleine denkt
und überall nur Sex sieht –

Wir erzählen jedem davon,
fühlen uns nicht wahrgenommen
Alle hören zu und vergessen schon
Alles ist da, keiner sucht
Ein Bildschirm das off‘ne Tagebuch
von mehreren Millionen.

Wir sind gut angezogen,
teilen uns winzige Wohnungen
und sind am fünfzehnten pleite
Wir haben schlechten Geschmack
doch damit eckt man nicht mehr an,
also kann es uns gleich sein.

Wir haben uns’re Fernseher verkauft,
kaum geschlafen, wieder raus
Was sollen wir auch sonst tun?
Wir haben Kopfschmerzen,
tun cool, sehnen uns nach Wärme
Hey Mama, die Kids sind in Ordnung.

 

www.sommerhatgelogen.com

 

 

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