Knotenpunkt (Miniatur)

In by Andreas Pargger0 Comments

Sonne steht gleißend am Highwayhimmel. Land drängt nach allen Richtungen, bricht stetig in Unbekanntes auf. Rundherum – grenzenlos Weite. Handtellergroße Echse quert ruckelnd die Fahrbahn, Teer flimmert unter ihren Füßchen. Neuralgische Punkte, Krallen.
Tausend Meilen von Nichts: Routes kreuzen sich im aufgeblähten Morgen. Biker passieren die Vorposten Ampeln, Abenteuer Haare im Wind. Sie bringen Tag um Tag zwischen sich und die klingenden Städte, steuern geradewegs in die Wildnis. Ihr Knattern geht unmerklich in Ferne über.
Farbloser Kombi platzt aus allen Nähten, beschleunigen noch im Orange – Studenten! Ahnung einer ungezügelten Vergangenheit. Aufblitzen Dose, rostiger Jolly zwischen ihren Nägeln. Blickt man jetzt Richtung Süden, kann man für Augenblicke blaues Flattern Meer sehen. Danach kein Lüftchen zu spüren.
Verkehrslichter wechseln die Farbe in sich dähnendem Intervall, wie aufgefädelt: Prototyp einer Familie im Station Wagon. Die Klima ist bis zum Anschlag auf, schwarze Löcher Schweiß unter den Achseln. Sie halten Händchen überm Ganghebel, das Jüngste streckt den Kopf in ausufernde Grellheit.
Eidechse hebt den Schädel, zieht sich im plötzlichen Motoraufheulen im Asphalt zurück. Die Ampeln ragen in den um-sich-greifenden Stillstand, Schlemihls: kein Schatten nirgendwo. Ockern flirren die Ränder, von Weitem Rattern Truck. Frigging Badass: Piercings und Vinyls. Narben, Horn und Muckis.
Horizont franst an Ecken und Enden aus, ein Weniges vorm Hitzekollaps – der Raum beginnt zu flackern. Unbestimmte Zeit scheint sich die Erde schon langsamer und immer langsamer zu drehen, nicht eine Wolke kommt in der Atmosphäre auf. Für eine Ewigkeit steht alles wie endgültig still. Vergilbt im Zusehen, Nachmittag.

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