Ikone (Miniatur)

In by Andreas Pargger0 Comments

Aus der Hand gelassen, gehörst du niemandem. Blätter fallen nicht zielloser. Leben im Auf und Ab von Fahrtwindböen. Du nistest dich zwischen zwei Atemzügen ein, für den Moment hakt die. Schallplatte hüpft auf der Stelle. Starrkrampf im Schatten einer Hochhausschlucht.
Warten als modus vivendi. Bis der Wind aufkommt. Er hat einen Narren an dir gefressen. Taumelnd wird dir rot vor Augen, zuerst aber noch Nacht. Mülleimern klappern die Rüstungen, rundum wanken Mauern. Ruhepol Skatepark. Plötzliches Achterbahngefühl, du kommst dir wie enthoben vor! Nie schwerer als am schwerelosesten.
Wieder und wieder wirst du erfasst. Welt stellt dich auf den Kopf. Reklametafeln eilen die Wohnblocks an dir vorbei: Pinselstrich Katze, Klecks Straßenlicht. Du weißt nicht, wo du herkommst, und woher auch? Hättest rechtzeitig deine Frage stellen sollen! Exil im Gängelnden alter Fabriksgelände: Hinterhofleben. Einsiedlerdom.
Man sieht dich zwischen Sträuchern auf Grünstreifen irren. Im Selbstgespräch inmitten weitläufiger Großstadtwüsten. Verschwindest hinter Hausecken, du tauchst in Rückfenstern von Taxis wieder auf. In Straßengräben neben Mäcis verfluchst du halbe Nächte deinen Schöpfer. Man sieht dich beim Krabbeln aus Dachfenstern. Wie du auf Plattenbauten balancierst.
Du gehst immer aufs Neue Allianzen ein. Ein ewig Ruheloser, beförderst du noch dein Ende! Ziehst dich zurück an deine Grenzen, wie Tanker rosten hier Fische. Sie schaukeln in sonniger Glückseligkeit auf dem Rücken, Glieder beißen dich lange schon keine mehr. Nur wenn es dunkel wird, schreist du – von einem Traum gestellt – das eine oder andere Mal wie am Spieß.
Lässt dich, von allen guten Geistern verlassen, tagaus- und -einwärts treiben. Wenn man dich anschaut, könnte man Mitleid kriegen.

Kommentar verfassen