Vom halb sein

In by Noemi Steuerwald0 Comments

Ich falle in zwei Hälften
Zerrissen leicht zu Boden.
Eine Seite, in der du geblüht hast.
Die Andere, das was bleibt. 

Warm waren die Tage
Im Augenschein deines Lichts
versorgt in deiner Brust
Pochen an Pochen.

Dich begehen
Fingerkuppenreisen auf der Haut
Halten, du mich zum Kranich falten,
lindern und tauchen und tausendmal ganz machen.

Ganz machen um
Jetzt wieder halb zu sein.
Zweimal halb ist eben doch nicht einmal ganz.
Halbsein. Halbes Sein.

Ich bin öfters nüchtern,
und die Nacht wandert durch mich hindurch.
Ich bin nicht ärmer,
nur etwas weniger blind.
Mag ich auch weniger blind sein,
früher sah ich mit dem Herzen mehr.
Doch dieses schloss die Augen,
sie brannten so sehr.

Jetzt wieder im Wettlauf
mit der Zeit und mir selber
Zigaretten glimmen einsam
als könnten sie die Nacht wärmer machen.

Die Tage sind eben doch etwas kälter
und nur ich kann es spüren.
So viele Häuser mit Gesichtern,
so wenig bewohnte Menschen.

Und plötzlich ist da 
so viel Platz in mir.
Das taumelnde Mondlicht fällt hinein,
durch die Fenster meiner Augen in die Tiefe.

Könnte ich doch aufhören
zu träumen in der Nacht
und schweigen. Schreie stumm
verschliessen in meiner Pupille.

Beissen mich selber
in mein eigenes Fleisch
von mir zehren, mich aufzehren
Zerreissprobe. Oben du. 

Und manchmal öffnet sich
ein Vorhang einen Spalt breit.
Dann fliesst deine Stimme hinein,
doch niemals dein Gesicht.

Laufe trotzdem weiter entlang dem Gürtel des Äquators,
und manchmal tauche ich: 
reise leise tief zum Kern,
finde, was ist, wenn du nicht bist.




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