Gedanken zu einer Fußnote Marina Zühlkes, als ich den Halleschen Dichterkreis am 29.10.2013 mit Udo und Thomas besuchte.

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Gedanken zu einer Fußnote Marina Zühlkes, als ich den Halleschen Dichterkreis am 29.10.2013 mit Udo und Thomas besuchte.

I.

Immer auf Abruf, parat und so wenig gebändigt wie Frauen,
läufigen Hündinnen gleich, halt ich die Verse im Zaum,
zwinge in allerlei Banalitäten sie, unter dem Dach meines Zirkus,
ihrer Geschichte beraubt, folgsam, wie Tiere dressiert.
Anlass zu schlechtem Gewissen hatte ich bisher noch keinen,
fügen sie sich doch auch wohl, wo ich sie brauche und wie.
Sicher sind über die Jahre mir welche abhanden gekommen,
find ich mit anderem Blick, alte in neuer Gestalt.
Dennoch war keine der Wiederentdeckungen eine Begegnung
ohne den lieblichen Reiz, gleichwohl verändert zu sein.

II.

Glück fand ich vielerlei zwischen den Beinen so mancher Geliebten,
wenn auch die Zeit es vertrieb, immer der Nächsten mich zu.
Treu waren neben den Weibern bisher nur die Verse gewesen,
ständig auf Abruf, doch scheu – anders als jede Madamé,
die mit den Monden im Umgang mit mir ständig sicherer wurden,
Abenteuern zum trotz, pochten aufs große Gefühl.
Mir aber war, ist und bleibt nur die erste der Lieben am wichtigsten,
auch wenn der Tadel mich trifft, sie nicht zu pflegen wie sonst
andere meinen von andren zu wissen, was angebracht wäre;
lese selbst ich das Gedicht, anders am Tag als bei Nacht.
Wie will, durch ebensein Leben und Lesen geprägt jemand wissen,
was uns der Meister verheißt, wären wir alle auch gleich?

III.

Folglich behalte ich mir vor, im Umgang mit Versen und Fauen,
gleich wie bekannt wir uns sind oder versuchen zu sein,
freilich nicht ohne den Geist und das Handwerk der Alten zu achten,
so, wie es sich mir erschließt, wieder und abermals neu,
spielen zu können mit beiden und dabei von Herzen zu lieben.
Ebenso geb ich den Rat, allen mit Seele und Geist,
sich zu versuchen, zu suchen im Vers, zu verlieren und finden,
wo dann die Sprache ihn rührt, wie sonst die Schönheit es tut.
Jene, die aber behaupten sie wüssten im Umgang mit Zauber
andren zu raten was geht, rate ich weiter zum Trutz,
gegen beliebiges Flattern ihre Weltsicht zu halten.
Weiß ich doch heute noch nicht, ob ich, dann einer von euch,
auch den Appell für das Experiment mit Korsage verfechte,
wie ihr Symbiose von Form, Inhalt und Haltung verlangt.

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