Fangen wir an mit der Werkstatt

In by Yevgeniy Breyger1 Comment

Ein neues Gedicht von mir, willkommen.

25.

wolken ergießen sich in nichts. formation lapidarerer wolken.
schrauben, entgegenschrauben der tropischen wonne. im licht, nirgends.
niemand sieht mich, mein linsendes auge am wasser. pflügen des wassers.
nichtigkeit. tagelang redebedürfnis. beduinen ins kollaterale, entrinnen.
was regt sich? erklärend und absichtsvoll nacht. nomaden und nummern.
seichterer kummer als sonst. flegelthesen. ich lebe als auftaktbewegung,
minimal möglich. montiertes innensystem, innerei kaputter fresken.
enttanze ziellos am fenster sitzend. reisesynoden entfalten sich,
lethegebadet, gerade im kampf der entfaltung. beobachten mich.
bewerten mich wie jeden anderen, zaghaft, taub und nochmals taub.
seit tagen fällt laub aus den wolken. als kosmos des frühreifs. belangend,
erlösend. pagoden des augenblicks. wetter, mephisto im slawischen sinn.
niemand ist da. kein leichtes haar, kein schweres auch. versiegelt
in ein magisches kalkül. zergliedert, noch im aufstieg. ein aufstieg also.
vor allem, ich. wird blasser, sucht den dialog. mit wem verbrüdern?
lauben, parks. geräusche, filter ins trikot. geräusche als entkernte minerale.
fraglich, in jeder hinsicht manisch. dazwischen lauthals verkehren.
pioniere, die nie enden. ersterwähltes ziel, das letztlich forderungen stellt.
sie bellend evoziert, sich ziert. ich habe den moment des absprungs
nicht erkannt. ich stand im handstand, verknüpfte schlichtweg sachlich.
also falsch. gab mich der statik nicht hin, ihrem schönen erliegen.
verlebt. ein blindes auge ist ein auge. ist stotternder komplott geblieben.
komfortbegriff in daunenkissen eingeprägt. und weiterhin
die prallen pranken. ergießen sich in nichts. sind fassbar nicht. sind
strahlenkonsistent. kohorten, keimlinge noch vor den wurzeln, panisch.
in fieberwellen dellen körper. woran nichts fraglich ist. bloß rauten,
für formen befunden. aber rauten sind menschlich. paarweise
verdächtig. kohorten pirschen sich im dickicht an, verkleidet,
lachen kaum. als geister fremder zeiten, paralleler. wohin entgleiten?
wohin die aufgeraute haut? die nägel, die vertankten biester.
genome, aufgeräumtes erbgut. im zweifelsfall attrappen. öl in tassen.
farne sehnen sich nach erde, nach nahrung regenloser wut, hygienisch.
vor meinem fell wächst fell. behutsam schnüre ich die schleife ein:
in jenes stiefelpaar, in jenes paradigma, das dem lauf entsteigt.
ich spitze zärtlich meine zunge. vergessenspfeile seitlich. rücken-
wandobjekt-verschleifung. ich schule mich in fratzen, bleibe sitzen.

Comments

  1. Hey,

    nur ein kurzer Eindruck zum Gedicht:

    Ich habe das Gefühl, du hast hier mehrere Gedichte geschrieben, die sich etwas gegenseitig behindern – die ihre Verschmelzung auch selbst teilweise nicht mögen. Man sieht immer wieder im Strudel namhafte und großartige Bilder vor sich. Manche sind in ihrer Idee einfach genial, so eine Art Krümmung von endlosen Vorstellungen, z.B.: „pioniere, die nie enden“, – geniale Wendung!

    Aber dies sind dann Teile, die aus einem Fluss herausragen, der ansonsten sehr schnell und vielleicht auch etwas zu kontrolliert an einem vorbei rauscht. Wenn du Wetter mit Mephisto zusammenbringst (unterlegt durch slawisch, ein Wort das aus irgendeinem Grund, wie ich finde, wunderbar für die Beschreibung von Wetter geeignet ist, in Kombination mit Mephisto, vielleicht weil es Farbspektrum betonen kann, für das es keinen anderen Namen gibt) ist das ein Bild, das nicht unbedingt besser ist als Nummern und Nomaden. Aber die Nomaden wirken in diesem Gedicht wie etwas flüchtiges, eine Randnotiz, ein Versuch in eine andere Richtung; während sich die Mephisto-Wetter Szene ganz in die Stimmung des Gedichtes eingliedert. Es sind beides lyische Gesten mit Potenzial, aber vielleicht in unterschiedlichen Gedichten. Die Frage ist natürlich auch, auf welche Art dein Gedicht funktionieren soll und vielleicht ist dir die Wirkung so ganz recht.

    Sehr gerne gelesen; war stellenweise begeistert. Wenn dir alles andere nichts sagt, hoffe ich trotzdem, dass du dich darüber freust.

    Mein persönlicher Favorit übrigens:
    „in fieberwellen dellen“ – klasse!

    Timo Brandt

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