Der Seiltänzer

In by Normi860 Comments

In der Not ist jeder wendig, denn manchmal ist es notwendig zu gehen und nicht allzu lange stehen zu bleiben. Denn hier stehst Du nicht neben, sondern bist ganz bei Dir. Du schaust immer nur vorwärts, läufst dem Ziel entgegen. Vergangenes lässt Du hinter Dir, schaust nicht länger zurück. Hinter dem Rücken kann dich nichts bedrücken. Die, welche hinter Dir stehen, werden nicht reden, sondern den Weg mit Dir gehen.

Höhenflüge, schwärzer als schwarze Tiefs und der Zustand dazwischen, dieser in der Mitte ist meistens auch nicht so prächtig. Eher mittelprächtig. Auf und ab. Ich meine das nicht nur auch das Leben schreibt das so.

Also versuchst Du mit kleinen Schritten und nicht zu grossen, die Balance zwischen Höhe und Tiefe zu halten. Die Arme wie Schmetterlingsflügel ausgebreitet um nicht zu fallen. Um auf zu fallen. Wirst nicht aufprallen. Zielstrebig die Welt erobernd. Bist immer wieder aufgestanden.

Das Netz fängt Dich jederzeit auf. Ein wagemutiger Tänzer bewegt sich manchmal auf dünnem Eis und tanzt ab und zu anderen auf der Nase rum, er ist einer, der ein Netz braucht um sich daran festzukrallen und um nicht noch tiefer zu fallen.

Ein Seiltänzer tanzt nicht, er bleibt nur stehen um mit Gleichgewicht weiter zu gehen. Er tanzt nicht zur Radiomusik, er bewegt sich zu seiner eigenen Melodie, die in seinem Kopf, die ist ganz leise wegen der Konzentration auf seiner Reise. Das Herz pocht aber laut, weil er sich etwas traut, dem Adrenalin und, dass jeder auf ihn schaut.

Manchmal muss man im Leben ein Seiltänzer sein. Die Arme wie Schmetterlingsflügel ausbreiten und einfach drauflos laufen. Hoch hinaus. Sich nicht durch Nebengeräusche beirren lassen. Das pochende Herz gibt den Rhythmus des inneren Sounds an. Schritt für Schritt seinen eigenen Weg gehen, den Anschluss nicht verpassen auf sich aufpassen.

Ob Du wirklich richtig stehst siehst Du wenn das Licht angeht. Das Publikum applaudiert, der Vorhang fällt. Du hast alles „überstanden“.

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